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Und er spuckt

Autor: Ida | Datum: 17 Juni 2015, 14:28 | 0 Kommentare

Es ist kurz nach sieben. Alle sind versammelt im Frühstücksraum und es herrscht die übliche Unruhe. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen, die Nachtschicht sitzt mir in den Knochen und lässt meine Glieder sich schwer anfühlen. Da ruft von draußen einer der Vikare etwas, ich verstehe nicht ganz was er sagt, sehe nur wie alle auf einmal gebannt zum Himmel blicken.

Und da hängt sie, diese große graue Wolke, über dem roten Bürodaches an diesem strahlend blauen Morgenhimmel.

Ich bitte um Erlaubnis einmal schnell rauszugehen, meine Müdigkeit ist wie weg geblasen.

Das habe ich in der ganzen Zeit noch nicht gesehen, dass eine Aschewolke bis zu uns hinüber zieht. In erstaunlicher Geschwindigkeit kriecht sie hinter den Bergen hervor, am Himmel entlang. Der strahlende Sonnenschein lässt das ganze irgendwie unwirklich aussehen.

Langsam wälzt sie sich an uns vorbei, dieses graue Asche-Etwas und man kann beobachten, wie langsam die Ascheflocken vom Himmel fallen und die Sicht vernebeln.

 

Ich lege mich schlafen, an die Aschewolke denke ich nur noch mit einem halben Gedanken und erhole mich so gut es geht für den Spätdienst.

 

So um drei Uhr, ich sitze gerade beisammen mit meinen Mitbewohnern an diesem ungewöhnlich heißen Tag, als ich wieder jemanden rufen höre. „Schau dir das an! Diesmal ist sie ganz rot!“ Und am Himmel hängt sie wieder, eine große Aschewolke. Diesmal vom Wind schon mehr zerpflückt und nicht grau sondern rötlich, zeichnet sie sich vom Himmel ab.

Ich bin wieder wie gebannt. Diesmal zieht sie aus anderer Richtung an uns vorbei. Man kann ganz deutlich sehen wie sich die Asche auf die Erde legt und die Sicht auf die entfernten Berge nimmt. Die Luft ist trocken und lässt einem die Lippen spröde werden und der feine Staub bedeckt alles und kratzt in Nase und Augen. Mit Masken ausgestattet warten wie darauf, dass der Ascheregen, den man so deutlich aus der Ferne beobachten kann, auch bei uns nieder geht. Zum Glück zieht er an uns vorbei, unsere Masken bleiben ungenutzt, aber wir sind erleichtert.

 

Aber nicht jedem geht es so. An diesem Tag werden viele Tränen vergossen. Die Gedanken meiner Mitbewohner sind bei ihren Familien, sie haben Angst, beim Anblick der Wolken. Die Familien die tatsächlich in unmittelbarer Nähe des Vulkans wohnen sind längst evakuiert, aber soweit reichen die Gedanken nicht mehr, wenn sie erst einmal von der Angst erfasst wurden. Tatsächlich hat nur eine meiner Mitbewohnerin direkte Familienangehörige die evakuiert werden mussten. Aber Familie ist das Thema was jeden Tag die Gedanken meiner Mitbewohner füllt, ihre Abwesenheit macht vielen zu schaffen. Und nur der Gedanke, dass ihnen etwas passieren könnte löst große Emotionen aus.

Ich wünschte mir, ich könnte ihre Angst lindern, aber dafür fehlen mir die Worte, die Fähigkeiten und eine Sprache.

 

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